Gute Personalauswahl beginnt für mich nicht mit einer Checkliste möglichst vieler Technologien.
Fachliche Kenntnisse sind wichtig. Mindestens ebenso wichtig sind Lernfähigkeit, Motivation, Verantwortungsbewusstsein und die Fähigkeit, mit anderen Menschen konstruktiv zusammenzuarbeiten.
Gerade in der IT verändern sich Technologien schnell. Niemand kann heute sicher vorhersagen, welche Werkzeuge ein Team in fünf Jahren einsetzen wird.
Deshalb achte ich in Bewerbungsgesprächen besonders darauf:
- Was motiviert einen Menschen?
- Welche Themen interessieren ihn wirklich?
- Wie hat er sich bisher weiterentwickelt?
- Wie geht er mit Veränderungen um?
- Kann er eigene Positionen vertreten und gleichzeitig andere Perspektiven berücksichtigen?
- Übernimmt er Verantwortung?
- Ist er bereit, Neues zu lernen?
Ein Lebenslauf muss dabei nicht geradlinig sein.
Umwege, Veränderungen und unterschiedliche Erfahrungen können ausgesprochen wertvoll sein, wenn erkennbar ist, dass jemand daraus gelernt und sich weiterentwickelt hat.
Gespräche statt Verhöre
Ein Bewerbungsgespräch sollte beiden Seiten ermöglichen herauszufinden, ob eine Zusammenarbeit sinnvoll ist.
Dazu gehört für mich eine offene Gesprächsatmosphäre. Bewerberinnen und Bewerber sollen verstehen, welche Aufgaben, Erwartungen und Herausforderungen sie tatsächlich erwarten.
Gleichzeitig möchte ich den Menschen hinter dem Lebenslauf kennenlernen.

Hire for attitude – train for skills
Der bekannte Grundsatz beschreibt einen wichtigen Gedanken: Nicht jede fachliche Lücke ist ein Ausschlusskriterium.
Fachwissen lässt sich aufbauen. Eigeninitiative, Lernbereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und konstruktive Zusammenarbeit sind dagegen schwieriger zu entwickeln.
Am Ende geht es deshalb nicht darum, den formal perfekten Lebenslauf zu finden.
Es geht darum, Menschen zu gewinnen, die gemeinsam mit dem Team etwas bewegen wollen.
„Was sind schon die paar Durchgedrehten gegen das Heer der Abgestumpften.“
Kurt Weidemann, Grafikdesigner, Typograf und Autor
Wie kommt es aber dazu, dass man in Unternehmen immer wieder der Meinung ist, man habe für die Zukunft nicht die richtigen Mitarbeiter? Wurden wirklich immer die falschen Mitarbeiter eingestellt? Dann müssen sich die Verantwortlichen allerdings auch fragen, warum sie das augenscheinlich über Jahre getan haben.
Wer führt in Unternehmen die Einstellungen durch, prüft die Bewerbungen, lädt die Kandidaten ein und führt die Bewerbungsgespräche?
„1st class hires 1st class, 2nd class hires 3rd class.“
Gunter Dueck „Schwarmdumm: So blöd sind wir nur gemeinsam“
Bei diesem Sachverhalt wird häufig von erstklassigen, zweitklassigen und drittklassigen Mitarbeitern gesprochen. Ich möchte dies nicht als beleidingend verstanden wissen, zur Erklärung macht es Sinn.
Häufig verstehen zweitklassige Menschen nicht was erstklassig ist; sie verstehen nicht was außergewöhnlich, genial, kreativ oder großartig ist. Sie haben keine Ahnung von Charisma, Genialität oder dem Vorteil von Querdenkern. Zudem haben sie Bedenken, dass jemand besser sein könnte als sie selbst. Sie bevorzugen bei der Besetzung offener Stellen daher lieber drittklassige Bewerber, die ihnen nicht gefährlich werden können.
Zweitklassige Mitarbeiter sind schlau und dumm zugleich. Sie sind zu dumm um die erstklassigen zu erkennen und zu schlau diese einzustellen.
Erstklassige Mitarbeiter fordern erstklassige Bewerber und stellen diese ein.
Im Gegensatz dazu zweitklassigen, die lieber drittklassigen Bewerbern zusagen. Dies musste ich immer wieder beobachten, wenn der Bewerbungsprozess standardmäßig delegiert wurde. Aufgrund dieses Vorgehens findet man nach einiger Zeit viele drittklassige Mitarbeiter im Unternehmen, die bei heutigen Aufgaben wenig unterstützen können.
Interessant ist, dass drittklassige Mitarbeiter manchmal erstklassige einstellen wollen, weil sie ganz naiv nach guten Bewerbern schauen. Nun könnte man meinen: Ziel erreicht! Das Problem: Erstklassige Kandidaten lassen sich nicht von drittklassigen Mitarbeitern einstellen. Sie wollen unter diesen Bedingungen nicht arbeiten, weil dies unter deren Einfluss nicht ausreichend möglich ist. D.h. Sie verlieren, ohne es zu merken, die besten Bewerber.
Erstklassige Mitarbeiter erkennen ein Ziel und wollen etwas Geniales verwirklichen. Dann suchen Sie die dafür notwendigen Mittel und Ressourcen. Sie nehmen sich Zeit um kontinuierlich und konsequent an der Zielerreichung zu arbeiten.
Zweitklassige orientieren sich eher an Marktbegleitern. Sind sie selbst noch besser als der Durschnitt der Branche? Wo stehen die anderen? Haben sie noch Vorsprung oder sind die anderen schon weiter oder besser?
Die Gefahr für Unternehmen ist, dass es irgendwann dazu kommt, dass zweitklassige die Mehrheit erringen, denn dann setzt sich deren Denken durch. Sie achten nicht mehr auf das Ziel sondern wollen “gut” arbeiten. Die von Gunter Dueck benannte “Schwarmdummheit” setzt ein, da sich das Erstklassige nicht mehr gegen das Zweitklassige durchsetzen kann.
Früher erstklassige Unternehmen können die Erstklassigkeit dann noch eine Zeit lang vortäuschen und neue Slogans publizieren “Wir stehen für Innovation”, “Wir leben Nachhaltigkeit”, “Wir verstehen unsere Kunden und die Branche und haben die passenden Lösungen”. Die Wahrnehmung der Kunden ist dann meist realistischer und führt dazu, sich am Markt neu umzuschauen.
Hire for attitude – train for skills.
Die besten Bewerber, gerade auch in Führungspositionen, haben natürlich Talent, Charakter, haben Verantwortung übernommen, sind Führer, motivieren die Kollegen und nehmen sie mit, sie drängen diese zum Tun und sind Gewinnertypen. Sie scheuen sich nicht Fehler zu begehen, reflektieren sich aber immer wieder selbst und lernen aus den Fehlern. Sie schätzen und bewundern Leistung, auch die der Marktbegleiter.
Gute Führungskräfte sollen hauptsächlich nach Haltung und Charakter gewählt werden. Was sie später inhaltlich führen oder managen werden sie sich selbständig und aus eigenem Antrieb erschließen. Erfolg ist, wenn Ziele verwirklicht werden. Dafür zeigen gute Führungskräfte Leidenschaft, Feuer, Engagement. Sie sind Querdenker und Unternehmer.